Weapons don’t kill people…

… Menschen tun es!

Gestern gab es einen der schlimmsten Amokläufen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und die gesamte Nation fragt nach dem “Warum?”

Dabei kommt es natürlich zu vorschnellen Schlüssen, was das Motiv und/oder den Grund dieser Tat vom Täter angeht. Ein riesiges Problem meiner Meinung nach ist, dass die Medien in unserer Gesellschaft natürlich die Ersten seien wollen, die das Motiv “exklusiv” veröffentlichen. Ich finde es ziemlich makaber wenn man deutlich merkt, dass ein Junge vor der Kamera einen Text aufsagt, der ganz offensichtlich von den Medien beeinflusst wurde.

“Ja und der Täter hat ja auch so Killerspiele gespielt, wie World of Warcraft und Counter-Strike”

Als erstes sei gesagt, dasss ich noch NIE und ich betone wirklich NIE, einen in Hip-Hop Klamotte pubertierenden Teenager gesehen habe, der das Wort “Killerspiel” in den Mund nimmt. Seien wir ehrlich… den Leuten vom Springer Verlag ist echt nichts zu schade unprofessionelle Berichterstattung abzuliefern. Aber das ist ja leider nichts Neues…

Genauso wenig neu ist auch die nun aufflammende Diskussion über diese sogennanten “Killerspiele”! Wie passend im Wahljahr 2009.

Wie bekannt ist hat sich der Täter an der Waffensammlung seines Vaters bedient. Dieser war im Schützenverein und passionierter Jäger. Ich muss sagen… jetzt kommt mir die Frage in den Sinn warum die Politiker und sogennante Psychologen nun wieder einmal ohne jegliche Beweise diese schreckliche Tat auf Computerspiele zurückführen wollen aber die Sache mit dem Schützenverein nur beiläufig und nicht einmal als Beweggrund angefügt wird. Ich brauchte genau 2 Gedankengänge um auf eine relativ schlüssige Antwort zu kommen… Wer wählt denn die Regierung im Süddeutschen Raum? Genau, es sind die erzkonservativen Schützenvereinsmitglieder! Ich möchte nicht falsch verstanden werden mit dieser Annahme, die genauso wie “Killerspiele sind an allem Schuld” ein einfaches Vorurteil ist. Es geht nur dieses Mal in die andere Richtung und macht deutlich wie engstirnig und scheinheilig solch ein Thema resultierend aus absoluter Erklärungsnot behandelt wird.

Fakt ist, dass man sich immer besser über etwas auslassen kann, was man nicht genau kennt. Und genau das ist das größte Problem unserer derzeitigen Regierung. Der Buhmann muss irgendwo herkommen und dafür zieht man dann halt etwas zur Sache, was durch die altbackende Politiker-Brille betrachtet natürlich die Ursache solcher Taten ist! Böse Computerspiele, in denen man bis an die Zähne bewaffnet in Schulen stürmt und schwangere Frauen und Kinder auf die brutalst mögliche Weise hinrichtet. Entschuldigt bitte diesen, übrigens auch vom Springer-Verlag, erfundenen Satz. Es ist einfach eine mutwillig verbreitete Falschmeldung, die einzig und allein dazu dient den Pöbel abzuspeisen, da der eigentliche Grund in der eigenen Gesellschaft liegt.

Ich selbst habe nahezu jedes “Killerspiel” (eigentlicher Name: First Person Shooter) gespielt und sage einfach mal ganz kühn das so eine derartige Abartigkeit, wie das töten von schwangeren Frauen oder auch das Stürmen einer Schule nicht ein einziges Mal in den knapp 500 gespielten Computerspielen vorkam! Wenn die Kritiker nun recht haben sollten und solche Amokläufer wie der des gestrigen Tages ihre Inspiration aus derartigen Spielen ziehen, dann müssten sie ja eigentlich auch auf dessen Schauplätzen amok laufen. Noch hat kein Amoklauf in alten Lagerhallen, verlassenen Marktplätzen, Jungellandschaften oder auch ganz absurd: auf dem Mars stattgefunden. warum werden Amokläufe nun in Schulen verübt, obwohl diese nicht ein einziges mal in den bösen Spielen auftauchen!? Da hinkt doch irgendwas!

Ich spiele selber sehr gerne und viel brutale und blutrünstige Spiele, weil ich durch das töten der virtuellen Protagonisten meinen täglich anfallenden Stress besser bewältigen kann und somit schlussendlich ruhiger am nächsten Tag bin. Das ist im Prinzip nichts anderes als Jemand, der nach der Arbeit ins Studio geht und den Sandsäcken ein paar auf die Mütze gibt. Geht dieser Mensch deswegen danach gleich auf die Strasse und schlägt wahrlos Passanten? Ich glaube nicht.

Die zahlreichen in Auftrag gegeben Studien zu diesem Thema beweisen auch nichts anderes:

“Killerspielspieler sind im Endeffekt ruhiger und ausgelassener als andere Personen die ihren Stress und Frust aufstauen.”

Meine Befürchtung ist nun ob sich durch das Unwissen der Leute, die am Hebel sitzen, eine nie in der BRD dagewesene Zensur und Bevormundung entwickelt. Ich als Volljähriger möchte selber entscheiden, was ich sehen darf und was nicht. Wenn mir dieses Recht verwehrt wird sehe ich keinen Grund der mich in diesem Land noch halten könnte. Wenn ich mir aber dann dank dieser Zensur ein Computerspiel aus dem Netz ziehe, weil in der deutschen Version dieses Spiels die Amerikaner 1944 nicht mehr gegen deutsche sondern Roboter kämpfen hört es echt auf. Natürlich bin ich dann ein Raubkopierer und werde vom Strafmaß vergleichsweise behandelt wie ein Mörder. Da schließt sich dann auch schon der Kreis.

Ich denke es ist viel wichtiger nach der Ursache als nach dem Auslöser zu suchen. Wir verbieten ja auch keinen Alkohol oder Autos, weil man damit ja Leute überfahren kann.

Jemand der sich vornimmt andere Menschen zu töten, muss schon vorher auf irgendeine Weise kaputt sein. Der drang nach Aufmerksamkeit, den diese Amokläufer haben, lässt sich meiner Meinung nach nur auf eine falsche Erziehung zurückführen. Eltern lassen ihre 10-jährigen Söhne GTA und Counter-Strike spielen, welche extra einen dicken roten Stempel auf der Aussenseite haben, auf welchen deutlich steht “KEINE JUGENDFREIGABE” und rechtfertigen den Kauf damit, dass das Kind es doch sooooo gerne haben wollte und es ist ja nur ein Spiel sei. Damit machen es sich die sogenannten Erziehungsberechtigten natürlich sehr einfach und überlassen die Erziehung dann doch lieber den Medien.

Diese Spiele gehören nicht in Kinderhände, genauso wenig wie Alkohol oder eine Waffe! Aber anstatt an diesem Umstand zu arbeiten werden sie lieber verboten… ist einfacher, kostet weniger und man hat auch noch einen guten Slogan für die antehenden Bundestagswahlen.

Ich würde dafür beten, wenn ich gläubig wäre, dass so etwas schreckliches nie wieder passiert, mit der Aussicht, dass Gott es erhört und soetwas schreckliches nie wieder geschehen lässt. Stattdessen möchte ich aber lieber an den gesunden Menschenverstand unserer Politiker appelieren auch mal nicht den einfachsten Weg zu wählen, sondern ernsthaft über Prävention nachzudenken und nach sinnvollen Lösungen für solch schwerwiegende Probleme zu suchen.

Das hier geschriebene soll auch den Menschen, die nicht so in der Materie drin sind wie ich, mein Kollege hier oder der Großteil meiner Generation, den Anstoß geben einmal mehr nachzudenken bevor man voreilige Schlüsse zieht und sich auf Aussagen von unqualifizierten Schönrednern verlässt. Denn das löst das Problem bestimmt nicht!

Außerdem möchte ich abschließend mein herzlichstes Beileid an die Opfer und dessen Angehörigen richten!

– von Meatlove


~ von Meatlove am 12. März 2009.

7 Antworten to “Weapons don’t kill people…”

  1. [...] möchte nun wirklich nicht in diesem Artikel die gleiche Meinung, wie die von Meatlove (und auch mir), noch einmal in neuen Worten verfassen. (Du hast das nämlich sehr schön [...]

  2. ..na okee, man könnte die Killerspiele auch Ballerspiele nennen, denn sie werden ja doch gern von Spätpubertierenden geschätzt, die eben ballaballa sind, ja oder ja?
    Man kann das niedliche Sackgesicht Kretschmer jun. ja nu nich mehr fragen, ob es in Pappis tumben Schützenverein oder beim dumpfbackigen Counterstrike in seinem Affenhirn ausgeklickt ist..
    so sorry an alle Affen…

  3. es ist doch immer das selbe bei diesen “amokläufern”: soziale isolation, aus seiner sicht “ungerechtigkeiten” die dem attentäter widerfahren sind gepaart mit rachegelüsten und daddy´s waffenschrank

  4. Die Zustimmung hast du ja schon, wie die drei vor mir schrieben. Trotzdem denke ich, ist ein Computerspiel nichts für alle “erwachsene” Menschen – der eine geht drauf ein und haut, wie du in deinem Beispiel schön formulierst, dem Sandsack eins auf die Mütze und ist ruhig, der andere trainiert sich hier nur noch mehr Aggression an, geht in die Disko und haut dem anderen eins auf die Mütze. Wie man das trennen kann, weiß ich nicht, aber die Tatsache finde ich doch häufiger bestätigt, auch ohne Studie.

    Aber um auf deine Hauptkritik der Regierung gegenüber einzugehen, ich habe festgestellt, dass es viel wesentlicher ist, in seinem Umraum etwas auszurichten, als auf irgendein Gesetz, um auf irgendeine staatliche Maßnahme zu warten. Daher fand ich in den gestrigen Aussagen der Politiker und Betroffenen ein für die Zukunft vielleicht wichtiges Wort:

    Schulkultur

    Bedenkt man, dass ein Ganztagsschüler eine Menge Zeit in der Schule verbringt und dort seinen Lebensraum findet, dann sollte dort etwas geschehen. Und die Gemeinschaft, die man dort pflegt ist ja nicht immer eine gewählte. Trotzdem hätte ein solches Miteinander eine wesentliche Funktion, das aufeinander aufpassen. Ich meine das nicht im Sinne einer Überwachung und ich bekomme Pickel, denke ich nur daran, dass ggf. man über Schulpolizei nachdenkt. Nein, ich meine, dass man sich füreinander interessiert, dann bemerkt, dass was nicht stimmt, und dann auch mal einem “einen richtigen Rat” gibt. Das wäre doch auch eine Schulkultur, die nicht nur mit Inhalten oder Abfragen zu tun hat. Es wird doch viel von Subkultur, von, wie du schriebst “Hipp-Hopp-Outfit”, also Erkennungszeichen einer bestimmten Coolness gesprochen. Vielleicht wäre auch eine Subkultur denkbar, die “Mit-Menschlichkeit” heißt. Wer das initiieren soll, wie das geht, ob hier gelenkt werden muss, dass knn ich nicht sagen, aber ich denke es ist notwenindig:

    eine neue Schulkultur.

    Ich schließe mich deinen Gedanken an die Betroffenen und deren Verwandten an.

  5. Ein wunderbar geschriebener Artikel. Ihr solltet Journalisten werden und ich möchte euch beipflichten. Ihr habt absolut recht und dieser Artikel sollte mal in den Medien veröffentlicht werden um wenigstens manchen Leuten die Augen zu öffnen.

  6. Sehr schön geschrieben. Stimme dir größten teils zu, nur denke ich nicht das “Killerspiele” einen nicht unbedingt ruhiger machen, dass kommt dann doch sehr auf die einzelne Person und das Spiel an. Denn immerhin enthalten Spiele generell Spannung und grade first-person-shooter viel Action ( wenns denn ein guter ist ;) ). Was nicht heißen soll das das extreme Gegenteil der Fall wäre, zumindest bei mir nicht. Solche spiele eignen sich nichtsdestotrotz sehr gut um eventuellen Frust ab zu lassen… besser als ihn sonst wo los zu werden. Aber zur Entspannung würde ich wohl doch eher zu etwas anderem greifen.

    Und zu guter letzt machen sie einfach Spaß. :)

  7. Ich stimme mit Deiner Darstellung überein.
    Meine Meinung zur Killerspiel-Debatte:

    http://sebmaster.wordpress.com/2009/03/12/amoklauf/

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